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Christliche Spiritualität

Christliche Spiritualität, wie sie auf dem Benediktshof gelebt wird, wurzelt in der christlichen Tradition der Benediktiner und der Kommunität von Taizé. Beiden liegt ein allumfassendes, weltoffenes Gottesbild zu Grunde.

Schon immer in der christlichen Tradition sind Menschen ihrer Sehnsucht nach Tiefe, nach Gottesnähe, nach sinnhaftem Leben gefolgt und haben einen Weg der inneren Einkehr gesucht.

Die verschiedenen Erfahrungswege des Benediktshofes wie Kontemplation, Exerzitien, Biblisches Wort, Gebet und Gottesdienst geben einer solchen Suchbewegung Raum. Sie ermöglichen, die eigenen Lebensquellen wieder, noch tiefer oder neu zu entdecken. Dies kann in ein tiefes Gemeint- und Erkanntsein münden.

Auf diesem Weg kann nach und nach Wandlung und Heilung geschehen, so dass der Mensch aus seiner innersten Kraft, verbunden mit seinem göttlichen Ursprung, sein Leben gestalten kann.

Kontemplation ist eine schon im frühen christlichen Mönchstum und später in der abendländischen Mystik praktizierte Spiritualität, der es um die verwandelnde Kraft lebendiger Gotteserfahrungen geht. Sie ist ein Übungsweg des Loslassens von vorgefertigten Meinungen und Vorstellungen über mich und über Gott und ein Sich-Einlassen auf das eigene Wesen und die tiefe Verwurzelung mit dem göttlichen Urgrund.

Zur Praxis der Kontemplation gehören etwa die Meditationspraxis des „Sitzens in der Stille“, das Herzensgebet, die „lectio divina“ und Meditations- und Achtsamkeitsübungen, die der Stille und der körperlichen und geistigen Sammlung dienen.

Exerzitien sind geistliche Übungen, die zu einer intensiven Besinnung auf mich, meine individuellen Lebens- und Sinnfragen und meine Gottesbeziehung führen. Exerzitien eröffnen geschützte Räume des Innehaltens, um in der Abgeschiedenheit von der Hektik des Alltags das eigene Leben zu ordnen, neu auszurichten und im unbedingten Ja Gottes zu verwurzeln.

Es gibt verschiedene Formen von Exerzitien. Gemeinsam ist ihnen eine Kultur der Stille und des Schweigens, feste Meditations- und Gebetszeiten, das Angebot der Teilnahme an Gottesdiensten, die regelmäßige „lectio divina“ und das Angebot von Einzelgesprächen mit der Exerzitienbegleitung.

Gebet ist Dialog, ist bewusste Hinwendung an das Göttliche, das tiefste Innere des eigenen Seins. Es ist ein Akt der Verbindung, der Dankbarkeit, der Bitte und der Hingabe.

Im Gebet öffnet der Mensch sein Herz, tritt in einen Zustand der Achtsamkeit und spricht aus seiner innersten Wahrheit. Gebet ist ein Lauschen auf Antwort, die sich oft nicht mit Worten, sondern mit einem tiefen inneren Frieden oder einer klaren Einsicht einstellt.

Es erinnert uns daran, dass wir immer eingebettet sind in etwas Größeres, das uns trägt, leitet und liebt.

Die Bibel – fremd und anders und nah und begleitend

Erfahrungen von urmenschlichem Erleben in den Geschichten von Menschen aus einer anderen Zeit – Worte, die man sich nicht selber sagen kann: Zuspruch, Trost, Segen… – der „fremde“ und zugleich zugewandte Blick auf das eigene Leben.

Dieses erleben Menschen, wenn sie der Bibel begegnen.

In diesem Horizont stehen die Angebote des Benediktshofes mit biblischen Texten. Die Teilnehmenden finden sich selbst neu, erfahren mit den Menschen der biblischen Texte den heilsamen Blick der Annahme, der Stärkung, des Mutmachens. Sie verstehen ihr Leben vor dem Hintergrund der Lebens-Grund-Erfahrungen anderer Menschen und sehen sich selbst mit dem, was sie betrifft, im Licht der biblischen Grundbotschaft der Liebe gehalten und begleitet.

Die Gemeinschaft mit anderen, das gemeinsame Singen, gemeinsames Beten und in Stille Sein, Bibelimagination und Arbeitsexerzitium geben die Möglichkeit, sich selbst und den eigenen göttlichen Raum zu entdecken. Diese Erfahrung mitzunehmen in den eigenen Alltag, das Vertrauen in sich, in das Leben, in Gott zu stärken, ist das Anliegen der Angebote in Anlehnung an den Geist von Taizé.

Das Kirchenjahr beginnt am 1. Advent. In seinen Festen und besonderen Zeiten bilden sich grundmenschliche Erfahrungen ab: Sehnsucht und Erwartung, Freude, schmerzvolle Wege und Abschiede, Erlösung und Erfahrungen, wie das Leben einen neu in die Arme nimmt, und manches mehr.

In den Angeboten zum Kirchenjahr öffnen sich die Kirchenjahreszeiten und Feste für die Teilnehmenden, verbinden sich mit ihrem je eigenen Lebensweg und unterstützen darin, sich selbst im Horizont der Grundthemen menschlichen und christlichen Lebens neu zu gründen.

Auf dem Weg sein bedeutet

  • ausgerichtet sein und bleiben
  • sich nicht niederlassen im Alltäglichen,
  • mit anderen eine Weggemeinschaft bilden
  • die Sehnsucht wach halten
  • Neues entdecken
  • achtsam und respektvoll sein.

Wenn ich mich ganz und mit allen Sinnen auf das Leben einlasse, wird mir alles zur Gottesbegegnung.